Aufgeklappt
schau ich ihnen niemals
in die Augen, Madame
— Nora-Eugenie Gomringer

Spagat im Quadrat: Musik hoch Utopie.

Von | 8. Juli 2010 | Kategorie: Der Mensch | Unkommentiert | 1.053 Aufruf(e)

Sein, aber wo sein? Das ist die Frage, die ĂŒber allen geerdeten Antworten unseres Lebens schwebt. Dazwischen pendeln die Extreme: + und – sind dabei keine mathematischen Vorzeichen, sondern Chiffren der Befindlichkeit; 0 und 1 keine Ziffern einer Computersprache, sondern ein Code der virtuellen Fiktion. Positiv – negativ, schwach und stark, gut und böse.

GegensĂ€tze heben sich in der Utopie auf. Sie weisen den Weg in ein persönliches Idyll. Einer Szenerie voller Harmonie. Wo mehr passend ist, als dass es aus dem Rahmen fĂ€llt. Die sĂŒĂŸe Wonne des Moments: Dann gehört das Bild in den „sauren Apfel beißen“ der Vergangenheit an. Oder wie es Radiohead formulieren: „Yesterday I Woke Up Sucking On A Lemon“. Und heute ist alles an seinem rechten Ort – Everything In It`s Right Place.

Die Reminiszenz dieses Fanvideos zu Fritz Langs Metropolis transformiert die Utopie in die GegenstĂ€ndlichkeit – ins Körperliche. Mit der Utopie erdenkt sich der Mensch das Ideal. Den Ort, den es zwar per Definition (u-topos – wörtlich: Der „Nicht-Ort“) gar nicht gibt, aber die Utopie malt uns ein farbenfrohes Bild von unseren SehnsĂŒchten. Sie wird zur Vorstufe unserer WĂŒnsche, die im Medium des Anderen in ErfĂŒllung gehen und dabei zu etwas GrĂ¶ĂŸerem als die RealitĂ€t werden. Eben das Unwirkliche im Wirklichen; der Schatten in der Sonne; der Traum in der RealitĂ€t. Von Spar projizieren in ihren Musikvideo-Miniaturen zum Album Foreigner (Italic) bildlich das Phantastische ins AlltĂ€gliche.

Von Spar – Foreigner (Sequenza IV) – Italic Recordings from italic on Vimeo.

„Kratz Dich Raus“ (Staatsakt) ist das DebĂŒt-Album von Hans Unstern betitelt – „
aus der Wirklichkeit“ möchte man den Titel weiterdenken. Die Single Paris zeichnet uns musikalisch die fiktionale Nacht als Nicht-Ort: „Wann lerne ich, dass Nacht ohne Mond keine Schatten malen kann? Punkt. Punkt. Komma. Strich. Fertig.“ Utopie braucht schließlich auch ein wenig Mond. Lunatisch: Ein bisschen mondsĂŒchtig, ein bisschen wahnsinnig. Die VerrĂŒcktheit im Zwielicht des Mondscheins, neben der grellen RealitĂ€t unseres Alltags. Denn utopisch heißt nicht gleich unerreichbar, sondern die Sehnsucht auch Wunsch werden lassen. Lauschig – mit allen Sinnen – in Bild, Ton, BerĂŒhrung, Geruch und Geschmack in die Unendlichkeit.

Auf Wiederhören, sagt – Andi Hörmann

Der Spagat zum Thema Utopie lief am Mittwoch, 28.06.10, um 18:00 Uhr auf www.byte.fm
Die Stadt-Teil-Utopie „Ein Trockenschwimmer“ findet sich in der Sommerausgabe des Westendmagazins unter www.westendmagazin.de oder in dem dazugehörigen Printformat.

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ist freier Kulturjournalist und lebt in MĂŒnchen. Begleitend zu seiner Sendung "Spagat" bei ByteFM veröffentlicht er auf kulturstruktur die Kolumne "Spagat im Quadrat".
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