die zigaretten schmecken frisch. / nach diesem winter // lassen wir alle blumen stehen. — Tom Bresemann

Vers zum Ersten: Pariser Panther und fünfhebiger Jambus

Von | 1. Juli 2009 | Kategorie: Der Mensch | Unkommentiert | 1.711 Aufruf(e)

Im Jardin des Plantes hat er ihn gesehen, den Panther. Dann hat Rainer Maria Rilke vermutlich einen Stift, vor allem aber sein großartiges Talent genutzt, um drei Strophen über das gefangene Tier und für die Ewigkeit aufzuschreiben. [...]

Sein Panther tritt nur noch als geschmeidige Hülle auf: Wille und Geist des Tieres sind schwach, nahezu ausgelöscht durch Menschenhand. Und wenn es einem bei der letzten Strophe kalt über den Rücken läuft, liegt das nicht ausschließlich an der vernichtenden Dramaturgie des Inhaltes: Nicht nur die wenigen, noch wahrgenommenen Bilder hören im Herzen der Raubkatze auf zu sein, sondern auch der Jambus hebt sich nur noch vier statt fünf Mal.

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein
.

(Rainer Maria Rilke, Der Panther; im Jahr 1902)

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ist Student der Sozialwissenschaften an der KU Eichstätt-Ingolstadt.
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