die tage sind nun wieder kürzer und es ist alles
wie im letzten jahr: der husten und die kälte, die
empfindlichkeiten, und nicht sehr viel, wovon man
gerne träumt.
— Nadja Küchenmeister

Echt oder falsch?

Von | 19. Dezember 2009 | Kategorie: Die Gesellschaft | Unkommentiert | 2.856 Aufruf(e)

Auf den ersten Blick scheint der «Fuffi» echt: In allen Regenbogenfarben schillert die Folie auf dem 50-Euro- Schein, die braune Farbe gleicht dem Original. «Aber das Papier verrät eindeutig, dass es eine Fälschung ist», sagt Walter Schlebusch, Mitglied der Geschäftsführung des Banknotenherstellers «Giesecke & Devrient» (G&D) in München. Zusammen mit Fälschungen aus 33 Ländern ist der falsche Fünfziger derzeit im Banknotenmuseum von G&D in München ausgestellt.

Hier finden sich unter dem Titel «Echt oder falsch?» spektakuläre Fälschungen aus zwei Jahrhunderten, etwa ein handgemalter Tausendmarkschein des Münchner Künstlers Günter Hopfinger oder von den Nazis erzwungene Fälschungen von Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen im Zweiten Weltkrieg.

Das Motiv der Fälscher sei oft Armut oder künstlerischer Ehrgeiz, sagt Franziska Jungmann-Stadler, Vorstandsmitglied der «Hypo Vereinsbank Stiftung Geldscheinsammlung», die gemeinsam mit G&D und dem Landeskriminalamt die Ausstellung verwirklichte. Aber auch politisch motivierte Fälschungen seien nicht ungewöhnlich, etwa um Wirtschaftssysteme zu schwächen. «In Notzeiten werden immer mehr Stücke gefälscht», sagt Jungmann-Stadler. So sei besonders nach dem Ersten Weltkrieg und während der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920- er Jahre Geld gefälscht worden – und auch heute sind Fälscher wieder besonders aktiv.

Die derzeitige Wirtschaftslage hat einmal mehr Fälscher auf den Plan gerufen. Laut Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Zahl der gefälschten Euro-Banknoten im ersten Halbjahr 2009 um rund 32 Prozent auf 413 000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. In Deutschland tauchten laut Deutscher Bundesbank von Jahresbeginn bis Ende Juni rund 24 000 falsche Euro-Banknoten auf – ein Anstieg im Vergleich zum vorangegangenen Halbjahr um 17 Prozent. Die Schadenssumme betrug 1,6 Millionen Euro. Besonders beliebt bei den Fälschern: der Fünfziger. Rund 37 Prozent der in Deutschland sichergestellten Blüten entfallen auf die 50-Euro-Note.

Als besonders raffinierter Fälscher ging der Münchner Günter Hopfinger in die Kriminalgeschichte ein. Der Künstler hatte in den 1970-er Jahren Tausendmarkscheine handgemalt. «Er hat aus künstlerischem Ehrgeiz gefälscht», erläutert Jungmann-Stadler. Erst war Hopfinger in München aktiv, später in ganz Süddeutschland. «Wir haben ihn dann in Neckargemünd festgenommen», sagt Eduard Liedgens vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) in München. Rund 35 Tausender habe Hopfinger in den Umlauf gebracht. Nur acht Stunden habe er für ein Exemplar benötigt. «Das war damals ein guter Monatsverdienst», sagt Liedgens. Hopfinger habe für seine Fälschungen rund drei Jahre im Gefängnis gesessen.

Die Ausstellung zeigt auch gefälschte britische Pfundnoten, die während der NS-Diktatur von jüdischen Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen unter Zwang entstanden. Die Nationalsozialisten wollten mit dem «Unternehmen Bernhard» das britische Finanzsystem schwächen und die Wirtschaft maßgeblich schädigen, indem sie den Geldmarkt mit massenhaft gefälschten Noten überschwemmen. «Die Goldreserve der Bank von England war ungefähr genauso hoch wie die Fälschungen», sagt Jungmann-Stadler. Die Imitate seien so gut gewesen, dass sie selbst die Bank von England nicht erkannt habe. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs vernichteten die Nationalsozialisten den Großteil der Fälschungen, noch bevor sie in Umlauf gebracht werden konnten.

«Die Fälscher sind besser und schneller geworden», weiß Walter Schlebusch von G&D. Dabei seien es vor allem sehr professionelle Fälschungen, die verstärkt auftauchen. Amateure könnten mit der technischen Entwicklung fast nicht mehr mithalten. G&D entwickelt jedes Jahr ein neues Sicherheitsmerkmal für Banknoten. Schlebusch: «Wir sind den Fälschern immer mindestens zwei Schritte voraus.»

Ausstellung bis einschließlich Mai 2010 nach Anmeldung unter Tel. 089/4119-1354 im Firmengelände Prinzregentenstraße 159


[Dieser Text wurde zuerst über die Deutsche Presse-Agentur dpa, München veröffentlicht]

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ist Student der Journalistik, Politik und Philosophie in Eichstätt. Er ist freier Journalist und beleuchtet politsche sowie gesellschaftsrelevante Themen.
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