This year has one day.
It happens again when I try to sleep.
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— The Notwist

Die Universitäten „brennen“

Von | 7. November 2009 | Kategorie: Die Gesellschaft | 6 Kommentare | 6.710 Aufruf(e)

Die friedlichen Proteste der österreichischen Studenten greifen weiter auf Deutschland über. Sie richten sich gegen überfüllte Hörsäle, erschwerte Zugangsbedingungen zu Universitäten, lange Wartezeiten sowie das Bachelor-System. An der Universität in Wien halten Studenten seit rund zwei Wochen mehrere Räume, darunter das Audimax , unter dem Motto „Die Uni brennt“ besetzt.

Auch Hörsäle und Räumlichkeiten der Universitäten in Münster, Heidelberg und Potsdam sind von Studenten in Beschlag genommen worden. In Berlin und Hamburg gab es ebenfalls erste Solidaritätsbekundungen. Gestern besetzten einige Dutzend Studenten die Akademie der Künste in München. Hier zeigt sich die Leitung gelassen, denn auch sie setzt sich für eine freie Bildung ein, schreibt die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Münchner Studenten fordern, wie ihre Kommilitonen in Österreich, die Abschaffung der Studiengebühren und stehen damit für eine „freie Bildung“ ein. Darüber hinaus soll der Bologna-Prozess wieder reformiert und damit die angelaufenen Bachelor- und Masterstudiengänge umstrukturiert werden. Zudem soll es einen freien Hochschulzugang geben, forderten Studenten in Wien. So kann jeder auch das Fach studieren, das er tatsächlich bevorzugt.

Eine Besetzungsaktion von Studenten der Uni Münster wurde am Freitagmorgen von der Polizei durch Räumung beendet, berichtete der Deutsche Depeschendienst (ddp). Die 53 Studenten, deren Personalien aufgenommen wurden, folgten der Aufforderung der Polizei friedlich, das Audimax umgehend zu verlassen. Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) kündigte an, die Proteste fortzusetzen. Ziel: keine soziale Benachteiligung innerhalb der Bildung.

Ursprünglich war der Prostest von der Wiener Kunstakademie ausgegangen. Dieser breitete sich innerhalb weniger Tage in ganz Österreich aus. Bei der groß angelegten landesweiten Bildungsdemo vergangenen Donnerstag nahmen mehrere tausend Studenten in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg teil. Die Zahlen schwanken: In Wien sollen es 7000 bis 20000 Teilnehmer gewesen sein. In Ihren Protesten werden die Studenten von großen Teilen der Gesellschaft unterstützt: Angefangen bei den Grünen, der Gewerkschaftsjugend und linken Wiener Organisationen bis hin zu Eltern, Schülern und einer offiziellen Solidarisierung der Lehrenden. Auch Lehrkräfte in Deutschland üben Kritik an der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sowie daran, dass das humboldtsche Bildungsideal in vergangener Zeit stark gelitten habe.

Die „Sozialistische Arbeiterjugend“ ruft in einem Internetvideo dazu auf die Studentenproteste des vergangenen Sommers innerhalb des bundesweiten Bildungsstreiks weiter fortzusetzen. Ab dem 17. November sind in deutschen Städten wieder Kundgebungen, Protestaktionen und Demonstrationen für eine freie Bildung geplant.

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ist Student der Journalistik, Politik und Philosophie in Eichstätt. Er ist freier Journalist und beleuchtet politsche sowie gesellschaftsrelevante Themen.
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6 Kommentare »

  1. würde man alle deutschen bildungsflüchtlinge in österreich nicht mästen sondern ausschlachten ( deutscher nc-looser finanziert österreichisches bildungssystem ) wären die finanziellen probleme der kleinen touristik-nation schneller gelöst als man glauben mag.

  2. Die Argumentation im vorherigen Kommentar ist ebenso kurzsichtig wie falsch. Sie wird dem sachlichen Ton des Artikels nicht gerecht und verstellt den Blick auf die hausgemachten Probleme der Alpenrepublik. Zahlen belegen, dass nur 6 % der Studenten in Österreich aus Deutschland kommen. Eine herkunftsabhängige Abgabe widerspricht außerdem europarechtlichen Vorgaben.

  3. Ich muss meinem Vorredner Recht geben und habe die Zahlen hier:
    - für Österreich: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/universitaeten_studium/index.html
    - für Deutschland: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/BildungForschungKultur/Internationales/AktuellStudierendeAusland,templateId=renderPrint.psml

    Wenn man die Zahlen von 2007 nimmt, so kommt je nach Wintersemester ein Anteil von 6,8 bis 7 Prozent deutscher Studierender in Österreich heraus. Erasmus-Studierende sind in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes bereits enthalten.

    Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass deutsche Studierende derzeit für einen unbeschränkten Zugang zu ihren Wunschfächern demonstrieren. Außerdem machen die oben unsachlich bezeichneten “nc-looser” – die wohl meist in Fächern wie Medizin oder Psychologie zu finden sein könnten – laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen noch geringeren Anteil aus. 2007 studierten danach nur 1744 deutsche Studentinnen und Studenten (9,3 Prozent der in Österreich studierenden Deutschen) in Österreich Medizin (0,83 Prozent aller in Österreich Studierenden). Das macht also – wenn man die größte Gruppe der “Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften” noch dazu zählt – einen Anteil von rund 4,6 Prozent aus.

    Zudem geht es in den Protesten darum ein besseres Bildungssystem für alle zu schaffen – auch europaweit. Wie man sieht, greifen die Proteste auch immer weiter auf andere europäische Länder über. Zudem ist Internationalität immer wichtig für kulturellen wie wissenschaftlichen Austausch.

  4. “Am höchsten ist der Anteil deutscher Studienwerber wie im Vorjahr in Innsbruck. Dort wollen 1.306 Deutsche ein Medizin-Studium beginnen – das entspricht rund 57 Prozent der insgesamt 2.297 in Innsbruck Vorangemeldeten. 918 Bewerber stammen aus Österreich (40 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr ist der “Deutschen-Anteil”, der bei etwa zwei Drittel lag, zurückgegangen.” -

    Quelle: http://www.news.at/articles/0708/10/164954/37-neo-mediziner-nachbarland-deutschen-anteil-unis

    …jeder hat so seine Statistiken…

    das mit den herkunftsabhängigen Abgaben ist übrigens leichter gelöst als man meinen mag. Jörg Haider (tot durch tod) lieferte einst den Vorschlag, Studiengebühren für alle Studierenden, und österreichische Maturanten (ja das heißt bei uns so) mit einem staatlichen Studien-Scheck ausstatten. Zack, 20.000 Euro zum runterstudieren und fertig. Der Deutsche muss dann schauen, wie er die Gebühren zahlt.

    In meine Augen würde es allen Studenten in Österreich wesentlich besser gehen, würde man a) den Piefkes das Geld abnehmen und sie dafür studieren lassen oder b) Zulassungsbeschränkungen einführen, damit ein Anteil der Österreichischen Steuergelder für Österreichische Studenten gesichert bleibt.

    Im Istzustand hingegen hat keiner was davon…. die Piefkes heulen und protestieren gegen fehlenden Kapazitäten, die sie jedoch in Wirklichkeit selbst belegen. Die Österreicher im Umkehrschluss ebenso.

  5. 1.
    Die Zahlen kann man mit denen von Steffen nicht vergleichen: Wer den Artikel aufmerksam liest, wird feststellen, dass es sich um Bewerber handelt und nicht um tatsächlich angenommene Studenten. Man kann natürlich schon argumentieren, dass die vielen Interessenten die österreichischen Unis überlasten, aber das halte ich für ein nachrangiges Problem.
    Der Artikel sagt im Übrigen weiter, dass in Innsbruck beispielsweise von den erwähnten Bewerbern (darunter 1306 Deutsche) “400 (360 in Human- und 40 in Zahnmedizin)” Studenten zugelassen werden. Davon sind dann allerdings nur maximal 20 % Deutsche (75 % der Studienplätze gehen an Einheimische und 5 % sind für nicht EU-Ausländer reserviert). Das ergibt, würde kein anderer EU-Bürger zugelassen, für Innsbruck eine Maximalzahl von 80 Deutschen. Damit relativieren sich direkt die Aussagen und es wird deutlich, dass Steffens Statistik auf alle Fächer bezogen plausibel ist. Man darf nur nicht die Hälfte der Wahrheit verschweigen.
    Dieses Quorum für Ausländer erfüllt übrigens schon die unter b) geäußerte Forderung.

  6. 2.
    Was die Leistungen des Steuerzahlers angeht, so sei darauf verwiesen, dass auch österreichische Studenten in Deutschland gem. § 8 des Gesetzes BAföG-berechtigt sind (http://www.gesetze-im-internet.de/baf_g/__8.html). Außerdem steht EU-Ausländern auch die Förderung durch Stiftungen in Deutschland offen. Beispielhaft sei hier die Studienstiftung des Deutschen Vokes genannt (http://www.studienstiftung.de/voraussetzungen.html), die übrigens zum Teil auch aus Steuergeldern finanziert wird. Ich persönlich finde, dass solche Argumente eigentlich überholt sein sollten, in einem Europa, das immer mehr zusammenwächst.

    Für mein oben ausgeführtes Argument, dass die größten Probleme in Österreich (wie auch in Deutschland) hausgemacht sind, spricht auch, dass etwa die Wiener Studenten Forderungen wie sie von “Piefke” geäußert werden, nicht in ihren Katalog aufgenommen haben (http://unsereuni.at/?p=4486). Auch hier gilt wieder: Scheindebatten helfen nicht weiter und die plumpe Sündenbocksuche ist noch lange kein brauchbarer Lösungsansatz.

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