Dennoch gehen wir
auf die Jagd gemeinsam, durch die verwachsenen
Ränder des Familienerbes, kein Tier
knackt das Unterholz
— Nora Bossong

Debatte: Eine Woche Bildung bestreiken

Von | 17. Juni 2009 | Kategorie: Netzstruktur | 2 Kommentare | 3.444 Aufruf(e)

Eine Woche lang streiken Studenten und Schüler als Reaktion auf die umgreifenden Reformen des bundesdeutschen Bildungssystems: Der Bologna-Prozess, Studiengebühren, ein überschaubarer Bildungsetat und das 12-jährige Abitur stehen zur Kritik. Verständnis für den Protest zeigt das Deutsche Studentenwerk, das sich eine öffentliche Debatte zur Qualität der Hochschulbildung erhofft, es gibt schließlich „viele gute Gründe, auf die Straße zu gehen.“

Diese Meinung scheint auch Jürgen Rüttgers zu teilen, der in einem Kommentar der SZ zitiert wird und befürchtet, dass Bildung unter ökonomischen Zwängen, Halb-, oder Unbildung zur Folge hat. Das humboldtsche Bildungsideal scheint also in Schwierigkeiten zu stecken. Wen wunderts, wenn Verschulung und Modularisierung in straffem Zeitplan, das “Lernen zu lernen”, den persönlichen Erkenntnismoment blockieren. Im gleichen Kommentar stellt der Autor übrigens fest, dass der Protest ein Lernprozess und deswegen “pädagogisch wertvoll” ist. Eine bedachte Partizipation wäre sicher auch ganz im Sinne Humboldts gewesen und so meint der Autor des immer noch gleichen Kommentars völlig zurecht, dass die geplanten inszenierten Banküberfälle keineswegs radikal sind, sondern den Staat nur an sein Kerngeschäft, an die Schulen und Hochschulen erinnern.

Anders sieht das der RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten): Die gegen den Bildungsstreik gerichtete Kampagne läuft unter dem Motto „Ideen statt Randale“. Gut, dass jemand vor dem „(gewaltbereiten) Aktionismus“ warnt, der diese Woche deutsche Städte erschüttert. Da bleibt eigentlich nur noch die Beurteilung der Titanic hinzuzufügen, die den missverständlichen Begriff “Bildungsstreik” zum Anlass nimmt und deswegen hier ihren verdienten Platz findet.

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ist Student der Sozialwissenschaften an der KU Eichstätt-Ingolstadt.
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  1. Am Wochenende, den 12. – 14. Juni 2009 machten sich ffcnf wacrkee Vertreter der Freiburg Psychologiefachschaft auf den Weg nach Dresden. Angela, Doro, Flavio, Juliane und ich nahmen an der 9. Psychologiefachschaftskonferenz (PsyFaKo) teil. Die PsyFaKo versteht sich als Vernetzungsorgan aller deutschen Psychologiefachschaften. Die PsyFaKo tagt einmal pro Semester und hat als fcbergeordnetes Gremium den Konferenzrat (KonRat), welcher aus drei Fachschaftsmitgliedern besteht. Der KonRat vertritt die Interessen der PsyFaKo und damit der Fachschaften (und damit im Grunde die Interessen aller Psychologiestudierenden) gegenfcber dem Berufsverband Deutscher Psychologen und der d6ffentlichkeit.Das Wochenende ist die perfekte Mischung aus Arbeit, neuen Erkenntnissen, Freizeit, Kennenlernen vieler neuer Leute aus ganz Deutschland und ein kre4ftiger Schub Motivation.Im Folgenden werden diese Punkte ne4her erle4utert.Arbeit: Aus jeder Fachschaft geht ein Vertreter in eine Kleingruppe, in welchen fcber verschiedene Themen diskutiert wird. So gab es auf dieser PsyFaKo beispielsweise die Kleingruppen Kontakt der Fachschaften zu den Studierenden-Planung des Masters: Zugangsbeschre4nkungen-Gutachten zum Psychotherapeutengesetz-Studienplatzwechsel im BA/MA-„Der perfekte Studiengang“: Wie sieht er aus?Am Sonntag wurde im Plenum fcber die Ergebnisse aus den Kleingruppen abgestimmt, welche vom (neu gewe4hlten) KonRat verf6ffentlicht werden.Neue Erkenntnisse: An anderen Unis ist es gar nicht so anders! c4hnliche Probleme wie etwa die Angst um einen Masterplatz und c4rger fcber zu viele Versuchspersonenstunden zum Beispiel… Manche Dinge sind jedoch an anderen Unis im Vergleich schlechter (z.B. der extrem straffe Studienplan in Heidelberg mit unze4hligen Wochenstunden in jedem Semester) oder auch besser (z.B. die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit von Dozenten und Studenten in Trier).Freizeit + viele Leute kennenlernen: Der Spadf kam beim Grillen, einer Stadtffchrung und einer Reggae&Ska-Party natfcrlich ebenfalls nicht zu kurz!Motivation: Die haben wir jetzt wieder sehr! Es ist einfach sehr anregend, die Arbeit und Erfolge anderer Fachschaften kennen zu lernen. Wir haben nun wieder viele neue Ideen und werden in ne4chster Zeit motiviert an deren Umsetzung arbeiten.Audferdem freuen wir uns natfcrlich auch schon auf die ne4chste PsyFaKo!

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